13.April Karlsruhe im Ausnahmezustand – über ber die Unfähigkeit miteinander zu reden

Ich wollte mir ein eigenes Bild von den Karlsruher Pegidas und den Anti-Pegidas machen. Beide Szenen tragen die Worte Gewaltlosigkeit und Friedlichkeit vor sich her, wohlgemerkt gewaltfrei und friedlich! Doch dies geschah so martialisch, dass neben dem kleinen Häufchen von 180 Kargida-Menschen, den Antis mit etwa 500, die stärkste “Demobeteiligung” bei den Polizeikommandos mit cirka 1000 Polizisten lag.

Noch vor drei Wochen speiten etliche Teilnehmer der Kargida feindseligste und plumpeste Tiraden gegen Ausländer aus, während einige infantil aggressive Antis mit Stinkbomben und Stein- und Flaschenwürfen auf sich aufmerksam machten, wobei “kargida”-Teilnehmer verletzt, Schaufenster und parkende Autos beschädigt wurden. Wohlgemerkt ALLES „Friedlich und gewaltlos“!!

Nun auch am 13.April war von Gewaltlosigkeit keine Spur zu bemerken. Statt gewaltfreier Kommunikation wurde das Niederpfeifen mit Trillerpfeifen und das Übertönen mit der jeweils eigenen Lautsprecheranlage geübt. Polizeieinheiten standen trennend wie römische Kohorten aus Asterix und Obelix zwischen diesen kommunikations-unfähigen Lagern. Das ganze Szenario brachte mir die Worte Heinrich Heines in Erinnerung: „Denkst du an Deutschland in der Nacht, dann bist du um den Schlaf gebracht“. Mit einem Satz: Der gewaltbereite Aufmarsch aller drei Demonstrationsgruppen, Karigida, Antis und Polizei kam mir nicht wie ein gesellschaftspolitischer Notstand, sondern wie ein geistiger Notstand vor.

Noch im letzten Jahr veranstaltete die Mahnwache für den Frieden phantasievolle, inhaltiche überzeugende Kundgebungen und Fußgängerdemos OHNE jegliche Aggression, OHNE Angst vor dem Andersdenkenden in der Innenstadt und auf dem Friedrichsplatz. Genau darin, in der Befreiung von Angst und Misstrauen unterscheidet sich eine positive friedliche Bewegung, die sich an den Prinzipien Mahatma Ghandis orientiert, von einem Szenario, in der zwei von Ängsten getriebene Intiativen, Kargidas und Antis aufeinanderprallen. Ihnen beiden steht die Angst im Nacken und macht sie unfähig zur toleranten und friedlichen Kommunikation.

Hier unser bisheriger Bilderbogen der Mahnwachen für den Frieden Karlsruhe

Die Kargidas treibt die Angst vor der „Überfremdung“, vor dem „Fremden“ und die Antis die Angst vor der „braunen Szene“ um. Diese Angst paralysiert eine grundlegende menschliche Fähigkeit – die Bereitschaft des miteinander Redens. Würden Sie miteinander reden, dann würde sehr schnell klar, dass die Frage der Flüchtlinge vor allem eine Frage der heutigen kriegerischen Welt ist. In Afghanistan werden die Menschen seit mehr als 40 Jahren durch mörderische Kriege beginnend mit der russischen Invasion, dem Aufkommen der Talibans, den von der CIA hochgepeppelten Bin Ladens und schließlich von den Truppen der USA, der Nato und der BRD traktiert. Im Irak, Syrien, Lybien und anderswo hat die Einmischung der Großmächte zu Chaos geführt. Mehr als 6 Millionen Flüchtlinge und hunderttausende ermorderte Menschen!

OHNE die inszenierten Kriege gäbe es keine Flüchtlinge.

Und den Kargidas würde beim darüber Reden zumindest zu Teilen klar, dass sie sich in ihrem eigenen Land fremd vorkommen, weil „unsere“ Regierung einfach gegen den Willen der Menschen Politik macht. Sie fühlen sich im Stich gelassen, weil hierzulande die Bevölkerung nicht in Volksentscheiden beschließen darf, sondern sowohl in der Steuer- als auch EU- und Banken-Politik über ihre Köpfe hinweg entschieden wird und sowohl Atomraketen bestückbare U-Boote an Israel als auch modernste Panzer nach Syudi-Arabien geliefert werden und die Bundeswehr in Afghanistan seit Struck und Joschka Fischer einen Auslandskrieg führt. Auch das Problem von Wirtschaftsflüchtlingen existiert. Warum sollte dies nicht offen diskutiert werden, warum soll die Bevölkerung in solch wichtigen Fragen nicht selbst entscheiden?

In Gedanken an Günther Grass und seine Blechtrommel und dem Sonderling Oskar Matzerath malte ich mir aus, was wäre, wenn diese beide Szenen sich vermischten und in der Lage wären, miteinander zu reden. Mithilfe einen offenen Mikrofons friedlich und tolerant miteinander zu sprechen. Antis und Kargidas im Gespräch, nebeneinander stehend, sich fragend, wie wir die Ursache des Elends der Menschen, der Flucht vor den Kriegen verhindern können. OHNE Trillerpfeifen, OHNE Stinkbomben und Steinwürfe, ohne gegenseitges Niederschreien und Gewalt – einfach offen und bereit zum Dialog …

Frieden, Gewaltlosigkeit, Toleranz sind leere Worthülsen, wenn sich Menschen durch Angst und Phobien unversöhnlich gegeneinander verhalten und ausspielen lassen. Es ist der Umgang der Menschen miteinander, und wie Gandhi sagte, der Frieden ist der Weg. Es ist die Methode des miteinander Redens, des Zuhörens, des Tolerierens anderer Meinung, so wie es die Mahnwache für den Frieden seit einem Jahr auch in Karlsruhe vorlebt. Die “Mahnwache-Karlsruhe.de für den Frieden” wäre bereit, zusammen mit unserem OB Mentrup und anderen Vertretern der Stadt und der beiden unversöhnlichen Lager eine offene Aussprache zu suchen.

Mit einem Wort: Karlsruhe sollte mündig werden !

Gleichlautender Text ging als Leserbrief an die BNN.

Grußwort unseres OB Frank Mentrup an die Mahnwache für den Frieden
http://peacetrain.de/2014/11/07/grusswort-von-oberbuergermeister-dr-frank-mentrup-zur-mahnwache-fuer-den-frieden-karlsruhe/

Unsere friedliche Fußgängerdemonstration am 25.10.2014 in der Innenstadt:
[youtube LaL-way2aSk]