Grußwort von Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup zur Mahnwache für den Frieden Karlsruhe

Frieden herrscht nur dort, wo Menschen als freie und gleiche Bürger, in gegenseitigem Respekt und ohne Vorurteile miteinander leben können – Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe, Menschen unterschiedlicher Religion, Weltanschauung und politischer Überzeugung. Hierin liegt die kommunale Dimension der Friedenpolitik, die mir als Oberbürgermeister von Karlsruhe besonders wichtig ist.

OB-Portrait-Ausschnitt13x18-IMG_4901-2-10Karlsruhe ist seit seiner Gründung 1715 eine ständig wachsende Stadt. Dies ist den vielen Menschen zu verdanken, die aus der näheren und weiteren Umgebung oder auch aus dem Ausland hierher gezogen sind und immer noch ziehen. So ist es nicht verwunderlich, dass heute die Mehrheit der Einwohnerinnen und Einwohner Karlsruhes nicht in Karlsruhe geboren sind und etwa jeder Vierte einen Migrationshintergrund hat. Bereits in seiner frühen Geschichte war Karlsruhe Heimstatt für Menschen unterschiedlicher nationaler, ethnischer, kultureller, religiöser und sozialer Zugehörigkeiten und gewährte ihnen – im jeweiligen zeitgeschichtlichen Maßstab gesehen – vergleichsweise liberale Rechte und Freiheiten. Gerade auch im Kontext dieser Traditionen und ihrer völligen Verkehrung in der Zeit der nationalsozialistischen Willkürherrschaft ist es der Stadt heute ein wichtiges Anliegen, allen Menschen in Karlsruhe ein Leben in Würde, Gerechtigkeit und Frieden zu ermöglichen. Und hier schließe ich ausdrücklich diejenigen ein, die sich – wie die Flüchtlinge in der LEA und ihren Außenstellen – nur auf Zeit in Karlsruhe aufhalten. Gerade die Menschen, die vor Gewalt, Krieg und Bürgerkrieg fliehen um ihr Leben zu retten, die zu uns kommen – traumatisiert, entwurzelt, hilfesuchend und meist ohne Chance, eine Arbeit zu finden oder am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben – sind auf unsere besondere Hilfe und Zuwendung angewiesen.

Karlsruhe als Residenz des Rechts und Stadt der Grund- und Menschenrechte setzt sich mit großer Überzeugung gegen Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit – und damit für den Frieden ein. Wir stehen hier in einer besonderen Verantwortung, der Stadt und der Zivilgesellschaft aus Überzeugung gerecht zu werden. Dies wurde besonders sichtbar, als sich die Stadtgemeinschaft im Mai 2013 unter dem Motto „Karlsruhe zeigt Flagge“ geschlossen gegen menschenfeindliches Gedankengut einsetzte. Doch das Ereignis macht auch sichtbar, dass es leider noch immer in Deutschland und auch hier in unserer Stadt demokratiefeindliche und rassistische Kräfte gibt, denen es entgegenzutreten gilt. Nicht immer zeigt sich rassistisches und fremdenfeindliches Gedankengut jedoch so offensichtlich wie bei dem Aufmarsch Rechtsextremer im Mai 2013. Es bleibt also eine dauerhafte Aufgabe, wachsam zu sein, worum ich alle Mitbürgerinnen und Mitbürger dringend bitte.

Dr. Frank Mentrup

Oberbürgermeister

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